10. November 2017 18:32 Alter: 11  Tage
Kategorie: Berichte

„Klützer Winkel“ soll Marke werden

 Von Barbara Stierand


Das Interesse war groß. Es ging um die Entwicklung der Marke „Klützer Winkel“. Etwa 60 Vertreter aus Politik, Tourismus, Kultur, Gewerbe und Gastronomie waren zur Informationsveranstaltung ins Literaturhaus „Uwe Johnson“ gekommen.


Herzlich willkommen zur Informationsveranstaltung zur Marke „Klützer Winkel“
Interessierte Zuhörer im voll besetzten Literaturhaus „Uwe Johnson“.

Jennifer Hurth hatte für Donnerstag, den 9. November 2017 eingeladen. Die Touristik-Fachfrau ist seit dem 1. August 2017 für ein Jahr im Amt Klützer Winkel angestellt und soll die Markenentwicklung auf den Weg bringen. Angesprochen sind in erster Linie die dem Amt angehörenden Gemeinden wie die Stadt Klütz, das Ostseebad Boltenhagen, Damshagen, Hohenkirchen, Kalkhorst und Zierow. Sie habe in den letzten Monaten mit vielen touristischen Akteuren und Anbietern in der Region gesprochen, so Hurth und sei auf eine äußerst positive Resonanz gestoßen. In einer kurzen Einführung stellte sie die Ziele und das Konzept der Markenbildung vor. Wichtig sei es, den Ist-Zustand herauszuarbeiten, die regionalen Stärken zu benennen und Ziele formulieren.

Ganz neu ist der Gedanke der Markenbildung nicht. So hatte sich schon vor etwa 5 Jahren eine Arbeitsgruppe diesem Thema gewidmet. Eine Tourismus-Agentur war beauftragt worden und hatte mit den Beteiligten ein Konzept erarbeitet. Zur konkreten Umsetzung ist es jedoch bis heute nicht gekommen.

Professor Henning Bombeck von der Universität Rostock erläuterte am Beispiel der Region „Mecklenburger Parkland“, wie eine regionale Kooperation und eine sich daraus entwickelnde Markenbildung aussehen kann. „Die Vernetzung ist wichtig“, so Bombeck. „Wenn die Vernetzung der einzelnen Partner nicht richtig funktioniert, dann hat alles keinen Wert.“ Jede Region habe ihre Eigenheiten, und diese müssten als Markenkern herausgearbeitet oder vielleicht auch erst noch entdeckt werden. „Während des Prozesses treten natürlich auch Hindernisse auf. Zum Beispiel die Angst vor Identitätsverlust der einzelnen Gemeinden, wenn sie sich unter einem gemeinsamen Dach zusammenfinden sollen.“ Anfangs seien auch die grundsätzliche Fragen zu klären wie: „Wollen wir überhaupt kooperieren, und welche Formen der Kooperation brauchen wir?“

Die anschließende sehr rege Diskussion zeigte die ganz unterschiedlichen Meinungen und Interessen. Udo Drefahl, ehemaliger Landrat von Nordwestmecklenburg, wies darauf hin, dass es den Begriff „Klützer Winkel“ – im Gegensatz zum vorgestellten „Mecklenburger Parkland“ – schon lange als historische, geografische und verwaltungstechnische Einheit gebe. „Man braucht jetzt eine Stelle, die das Vorhaben langfristig koordiniert. Das werden jedoch die Kommunen alleine nicht leisten können“, so Drefahl. Nadine Schmidt, Museumsleiterin von Schloss Bothmer, sprach sich dafür aus, erst mal „zu schauen, was der Gast möchte und was uns als Region verbindet. Es geht darum, das Gemeinsame zu finden.“

Pastorin Pirina Kittel merkte an, „dass wir im Kirchenbereich sehr gut vernetzt sind und von den kleinen Strukturen profitieren. Manchmal macht Kooperation auch keinen Sinn, wenn die Partner zu weit weg sind.“ Sie sprach sich außerdem dafür aus, dass die Kirche innerhalb der Kommunen wieder mehr eingebunden und wahrnehmbarer gemacht werden sollte. „Denkbar wären thematische Wanderungen, wo auch die Kirche integriert ist.“

Der Klützer Bürgermeister Guntram Jung begrüßte das Vorhaben und wies darauf hin, dass in es Klütz bereits funktionierende touristische und kulturelle Einrichtungen gebe wie etwa das Literaturhaus und die Stadtinformation. „Wir fangen ja nicht bei Null an. Wir können die Entwicklung der Marke und die Umsetzung politisch unterstützen, doch wir wollen auch die Gewerbetreibenden mit ins Boot holen. Auch sie werden davon profitieren und eine finanzielle Beteiligung von ihrer Seite wäre wünschenswert.“

„Wir Gemeinden im Klützer Winkel haben ja schon ganz viele Gemeinsamkeiten“, sagte Mandy Krüger, Bürgermeisterin von Damshagen, „doch es braucht so eine Art Dachverband, der das alles bündelt. Das gesellschaftliche Leben findet hauptsächlich in den Vereinen statt und ohne das große Geflecht von Ehrenamtlichen wäre das gar nicht möglich. Es geht darum, diese Aktivitäten zu unterstützen, zu veröffentlichen und zu verbreiten. Wir als Politiker alleine sind da überfordert.“

Jan van Leeuwen, Bürgermeister von Hohenkirchen, gab zu bedenken, dass man die sechs Gemeinden nicht gleich machen dürfe. „Die Gemeinden haben erst mal das Bedürfnis, die eigene Identität zu finden und zu erhalten. Es können sechs starke Säulen innerhalb einer Gemeinschaft sein. Die Frage ist: Worin stärken wir uns, und wie können wir im Großen und Ganzen zusammenwirken?“

Weitere Ideen waren, die Region als „Naturpark“ zu vermarkten oder für ortsunabhängiges Arbeiten, als sogenannter Co-Workingspace, attraktiv zu machen.

Johanna Menzel von der Schule der Landentwicklung Mecklenburg-Vorpommern fasste abschließend den Abend zusammen.

Am Samstag, den 18. November 2017 findet ein weiterführender Workshop von 10.00 bis 16.00 Uhr im Festsaal von Boltenhagen statt. Alle Anwesenden und neue Interessierte sind herzlich eingeladen. Anmeldungen bei Jennifer Hurth, E-Mail: j.hurth(at)kluetzer-winkel.de, Tel. 038825-393-700.

Fazit: Es besteht die Bereitschaft und ein großes Interesse an der Zusammenarbeit der einzelnen Akteure und der Gemeinden. Eine langfristige Koordinierung durch eine Stelle ist erwünscht. Die Mitwirkung und Einbindung von Bürgen, Kreativen, Gewerbetreibenden und touristischen Anbietern ist unerlässlich. Die Kommunen können die finanziellen Aufwendungen nicht alleine tragen.

 

 

Professor Bombeck und Jennifer Hurth im Gespräch mit den Anwesenden.
Geballte touristische Kompetenz: Claudia Hörl, Kurdirektorin von Boltenhagen, und Anett Bierholz, Geschäftsführerin des Verbandes Mecklenburgischer Ostseebäder
Udo Drefahl, ehemaliger Landrat, sprach sich für eine übergeordnete Koordinationsstelle aus.
Bürgermeister Guntram Jung will die Gewerbetreibenden mit ins Boot holen.
Johanna Menzel von der Schule der Landentwicklung Mecklenburg-Vorpommern

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