12. September 2017 14:13 Alter: 38  Tage
Kategorie: Literaturhaus, Berichte

„Zuhause“ – Daniel Schreiber las aus seinem Essay

 Von Barbara Stierand

Auf „Die Suche nach dem Ort, an dem wir leben wollen“ nahm der Schriftsteller Daniel Schreiber seine Zuhörer im Literaturhaus „Uwe Johnson“ mit.


Daniel Schreiber liest aus seinem Buch „Zuhause“ im Literaturhaus „Uwe Johnson“.

So zumindest heißt der Untertitel seines Buches „Zuhause“ und entsprechend erkenntnisreich und nachdenklich gestalteten sich die Lesung und die Gespräche am Freitag, dem 8. September 2017. Daniel Schreiber schickte voraus, dass es für ihn eine große Ehre sei, im Literaturhaus „Uwe Johnson“ zu sein, denn er verehre Johnson und habe „ihn auf geradezu religiöse Art und Weise gelesen.“

Im ersten Kapitel „Woher die Sehnsucht?“ beschrieb der aus Mecklenburg stammende Autor die Zeit, in der er in London als freier Schriftsteller lebte und durch die Trennung von seinem Freund in eine tiefe Krise stürzte. Neben der Schilderung seiner persönlichen Lebensumstände erforscht er gleichzeitig die Bedeutung von „Zuhause“ und stellt die Frage, wo unser Zuhause ist in einer Welt, die von Globalisierung und Entwurzelung geprägt ist? So schreibt er: „War das Gefühl des Zuhauseseins früher mit dem konkreten Ort verbunden, aus dem wir stammen, ist es heute eher mit einem imaginären Ort verknüpft, zu dem wir hinwollen. Zuhause ist inzwischen etwas, was wir uns in einem lebenslangen Prozess suchen uns selbst aufbauen müssen.“

Auf der Suche nach dem „Zuhause“ beschäftigte er sich auch mit der Geschichte seiner Vorfahren und den Einfluss ihrer Erfahrungen – den erzählten und den verschwiegenen – auf unser Leben. Aus alten Familiendokumenten erfuhr er, dass seine Urgroßmutter sich im Laufe ihres Lebens dreimal auf die Flucht begeben musste. „Die längste Zeit suchte sie nach einem Ort, an dem sie und ihre Familie sicher wohnen und arbeiten konnten. Zuhause-Gefühle waren für sie ein Luxus, der sich selten bot. Bis in ihre letzten Jahre blieb sie ein Flüchtling und fühlte sich fremd.“

Während und nach der Lesung entspann sich eine lebhafte Diskussion, viele Zuhörer stellten Fragen oder äußerten ihre Meinung. Es herrschte Einigkeit darüber, dass Entwurzelung ein wichtiges Thema dieses Buches und ein vorherrschendes Thema in unserer Zeit sei. Der Autor sprach auch über die derzeitige politische Stimmung in Deutschland und in den USA. Er fand es erstaunlich, dass es Toleranz für Diskurse und Meinungen am rechten Rand gebe und dass diese Entwicklungen Symptome einer kollektiven Entwurzelung seien.

„Der grundlegende Gedanke dieses Buches ist, dass wir uns ein Zuhause suchen, an dem wir uns wieder verwurzeln können. Dass wir einen Ort finden, der uns die Möglichkeit bietet, bei uns selbst anzukommen“, so Daniel Schreiber zum Schluss. Von den Zuhörern wurde er mit großem Applaus verabschiedet und er hatte alle Hände voll zu tun, die Bücher zu signieren, die am Büchertisch zu Verkauf auslagen.

 

Daniel Schreiber ist 1977 geboren und wuchs in Mecklenburg-Vorpommern auf. Nach Aufenthalten in London und New York lebt er heute in Berlin. Er ist Kunstkritiker und Autor. Sein persönlicher Essay „Nüchtern. Über das Trinken und das Glück“ wurde zum Bestseller. Sein Essay „Zuhause. Die Suche nach dem Ort an dem wir leben wollen“ ist im Frühjahr 2017 bei Hanser erschienen.


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