Stadtgeschichte

Die Stadt Klütz hat eine mehr als 800-jährige wechselvolle Geschichte hinter sich, immer inmitten des großen Weltgeschehens. Heute leben etwa 3000 Menschen in der Kleinstadt und profitieren von der attraktiven Lage nahe der Ostsee, von der schönen Natur und der reizvollen Innenstadt, die in den letzten 25 Jahren aufwändig saniert wurde. Der Regionalhistoriker Eckart Redersborg, bekannt durch zahlreiche Bücher und Veröffentlichungen zur Heimatgeschichte, hat für die Klützer Internetseite einen Beitrag zur Geschichte von Klütz von den Anfängen bis zur Gegenwart geschrieben.

Klütz? Klütz!

Von Eckart Redersborg

„Klütz?“ – Diese Frage wird sich jeder stellen, der sich dem Ortsnamen, aus welchem Grund auch immer, gedanklich stellt. Die Antwort sollte lauten „Klütz!“ Denn immer wieder wurde im Verlauf von mehr als 800 Jahren diese Frage gestellt. Die dann dadurch eingeleitete historische Entwicklung bestätigte die Antwort: „Klütz!“

Als am Ende des 12. Jahrhunderts Kaiser Friedrich II, genannt Barbarossa, für die spätere Hansestadt Lübeck sehr viel Bauholz benötigte, erkannte man den Holzreichtum der östlich gelegenen silva clutse, des Waldes Klütz, der sich durch ausgedehnte Eichen- und Buchenbestände auszeichnete. Das Holz konnte zu Bauzwecken verwendet werden. Durch seinen Erlass, verankert in der „Barbarossa-Urkunde“, ist die erstmalige Erwähnung der silva Cliuz (silva clutse) historisch überliefert. Wenn das Waldgebiet den Namen „Klütz“ trug, muss dieser wiederum seinen Namen von einem bestehenden Ort erhalten haben. Das slawische Wort „cliuz“ bedeutet „Schlüssel“. Klütz war somit der Schlüssel zur Erschließung des Waldes Klütz.

Für den Transport des schweren Holzes bot sich die nahe Ostsee oder der nahe Dassower See mit seinem Zufluss zur Trave an. Das Ufer der Trave und des Dassower Sees wurden durch die „Barbarossa-Urkunde“ zur Grenze zwischen Lübeck und Mecklenburg. Sie ist es noch heute, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderets war sie sogar Staatsgrenze zwischen der DDR und der BRD. Große deutsche Geschichte am Rande der silva clutse!

Klütz war eine typische slawische Siedlung. Ein damals größerer See, die Paeserow, bot die Möglichkeit zum Fischen. Ein abfließendes Gewässer, der Klützer Bach, durchschnitt in nördlicher Richtung die hügelige Landschaft in Richtung Ostsee und bot sich als Wasserweg an. Beiderseits des Baches siedelten die Slawen und nutzten die benachbarten Flächen ackerbaulich. Östlich des Baches könnte die Straße „Im Thurow“ auf die älteste Ansiedlung hinweisen. Noch vor drei Jahrzehnte bildete diese Sackgasse keinen besonders schönen Anblick, durch umfangreiche Sanierungsarbeiten entwickelte sie sich zu einem Schmuckstück, aus dem besonders das 2006 eröffnete Literaturhaus „Uwe Johnson“ im wahrsten Sinn des Wortes und die Staudengärtnerei Schmoldt, genannt „Klützer Blumenkate“, herausragen.

Vom „Wald Klütz“ zum Klützer Winkel

Unter Heinrich dem Löwen, im 12. Jahrhundert, hatte die Ostexpansion eingesetzt, die sich auf die slawischen Gebiete bezog, so auch rund um Klütz. Gerodete Waldgebiete wandelten sich zu großen, ackerbaulich nutzbaren Flächen, in denen die aus Niedersachsen und Westfalen stammenden Siedler neue Dörfer anlegten. Der nicht mehr zutreffende Name „Wald Klütz“ wandelte sich in „Klützer Winkel“, der wiederum wegen seiner sehr fruchtbaren Böden vor allem im 19./20. Jahrhundert durch den Anbau von Weizen und Zuckerrüben zu einem besonderen Markenzeichen wurde.

Neben den bestehenden slawischen Siedlungen, erkennbar an den Endungen -in, -ow oder -itz, entstanden bereits vor 1230 neue Dörfer, die seitdem an den Endungen -hagen oder -beck erkennbar sind. Der aufmerksame Besucher des Klützer Winkels wird eine Reihe von Ortsnamen slawischen oder deutschen Ursprungs entdecken.

Mit der Kolonisation war auch die Christianisierung des Waldes Klütz verbunden. Kirchen mussten als Zentren kirchlicher Machtansprüche gebaut werden. Klütz? Für den Bau einer Kirche bot sich besonders dieser Ort wegen seiner zentralen Lage an. So entstand auf einem Hügel die heutige Sankt-Marien-Kirche inmitten des damaligen Dorfes. Es gibt innerhalb des Klützer Winkels kaum einen anderen so günstigen Platz.

Das Territorium des Klützer Winkels lässt sich schlecht durch geographische Besonderheiten definieren, wohl aber mit Hilfe des 56 m hohen, weithin sichtbaren Kirchturms. Der Volksmund schaffte sich eine Erklärung. Der Klützer Winkel ist der Bereich, von dem „man den Klützer Kirchtorm süht!“ So ist es denn auch, bis auf wenige Ausnahmen! Der Klützer Winkel breitet sich konkurrenzlos zwischen den Kirchdörfern Kalkhorst und Elmenhorst im Westen und Hohenkirchen im Osten aus. Kommt man aus Richtung Süden, erblickt man am Ortsausgang von Rolofshagen den Klützer Kirchturm und hat damit den Klützer Winkel erreicht. Im Norden begrenzt die Ostsee im Bereich von Steinbeck und mit der Boltenhagener Bucht und der Wohlenberger Wiek den Klützer Winkel.

Die Ritter regieren im Klützer Winkel

Jahrhundertelang vollzog sich das Leben im Zeichen des Rittertums, das das freie Bauerntum in Leibeigene wandelte. Beteiligt waren daran u. a. die Ritterfamilien Bülow, Penz und Plessen, worauf u. a. die Wappentafeln an der Kanzel der Klützer Kirche hinweisen. Über mehr als 300 Jahre war vor allem die Familie von Plessen für weite Teile des Klützer Winkels maßgebend.

Die Ritterfamilien blieben über Jahrhunderte sesshaft und prägten die Wirtschaftsweise und die Lebensverhältnisse. Teilweise erwiesen sie sich als Raubritter und bedrohten so den Landhandel, der sich zwischen den Hansestädten Lübeck und Wismar vollzog. Allein zwischen Klütz und Dassow sind auf einer Strecke von etwa 15 km fünf Burganlagen nachgewiesen, von denen heute noch die Überreste der „Burg Arpshagen“ mit ihrem ringförmigen Wassergraben und dem erhöht liegenden Burgplatz einen touristischen Anziehungspunkt darstellen.

Die Gutsdörfer waren durch den Gegensatz zwischen den Herrenhäusern und ihren Parkanlagen sowie den in Abseitslage gelegenen Wohnstätten der Landbevölkerung geprägt. Für sie entstanden im 19. Jahrhundert so genannte Katen, Wohnhäuser mit vier, fünf oder sechs Wohnungen. Gutshäuser, Parks und auch die Katen haben in den letzten Jahrzehnten durch vielfältige Sanierungsmaßnahmen ein freundliches Aussehen und teilweise eine neue Bestimmung bekommen. Im Klützer Winkel sind besonders Schloss Bothmer und die Gutshäuser Oberhof und Stellshagen sehenswert und in vielfältiger Weise erlebbar. Die ehemaligen Tagelöhnerkaten, beispielsweise in Arpshagen, Christinenfeld, Goldbeck und Hofzumfelde, bieten heute einen schönen Anblick und moderne Lebensverhältnisse.

Reformation und Dreißigjähriger Krieg

Abseits des Weltgeschehens vollzog sich das Leben im Klützer Winkel nicht. Tiefgreifende Veränderungen vollzogen sich ab 1540 durch die Reformation. Seit dieser Zeit hat sich die Klützer Kirche mit ihrer wunderschönen „Bischofsmütze“, ihren vier Glocken und mit ihrer wertvollen Innengestaltung zu einer der schönsten Kirchen Nordwestmecklenburgs entwickelt, die zu Besuchen und zu vielfältigen Veranstaltungen einlädt.

Dann brachte der Dreißigjährige Krieg auch für den Klützer Winkel Schrecken, Zerstörung und Ausplünderung. Danach musste sich neues Leben mühsam entwickeln, auch und besonders in Klütz. Aber bereits seit 1660 ist für den Ort ein vielfältiges Handwerksgewerbe nachgewiesen, das es eigentlich außerhalb der Städte nicht geben durfte. Handwerk und Kleinhandel förderten das Leben und das Wohnen.

Jährlich fand der „Klützer Markt“ statt, der immer am Ende der Erntearbeiten durchgeführt wurde, also um den 1. Oktober. Hier boten die Ortsansässigen ihre Dienstleistungen und Produkte an, wovon die Bevölkerung der umliegenden Dörfer profierte. Sie deckte ihre Bedürfnisse für das tägliche Leben in Form von Dienstleistungen aller Art ab. Von nun an führte Klütz die Bezeichnung „Flecken“, wobei diese Marktgerechtigkeit in den folgenden Jahrzehnten umstritten blieb, sich aber auszahlen sollte. Der „Klützer Markt“ bildete über zwei Jahrhunderte das besondere gesellschaftliche Ereignis im Klützer Winkel, an das sich das moderne Klütz gern erinnert, in anderer Form anknüpft und dabei besonders die Gäste des Klützer Winkels anspricht.

Die Zeiten blieben kriegerisch. Während des Nordischen Krieges (1700 bis 1721) besetzten Truppen des Kurfürstentums Hannover Westmecklenburg und auch den Klützer Winkel. Sie beteiligten sich mit anderen Kriegsmächten an der Belagerung der seit 1648 schwedischen Stadt Wismar. Somit fand auch die Grafenfamilie von Bothmer den Zugang zum Klützer Winkel.

Die Grafen von Bothmer im Klützer Winkel

Klütz? Klütz! Als der Ort Klütz 1721 für die Familie von Bothmer interessant wurde, entschied sie sich schnell, die Vorzüge dieses im Klützer Winkel zentral gelegenen Ortes erkennend. Sie erwarb einen ca. 8 000 ha großen Besitz, der etwa der Hälfte des Klützer Winkels entsprach und schuf eine Reihe von Gütern, die durch Pächter bewirtschaftet wurden. Ihr Besitz galt als Majorat, er wurde nur in männlicher Erbfolge vererbbar und musste ungeteilt bleiben.

Erster Majoratsherr war Hans Caspar Graf von Bothmer, der zu den „Königsmachern“ von Georg I., König von Großbritannien, zählte. Seine Londoner Wohnadresse ist seither fast jedermann bekannt, ohne sie direkt mit dem Namen Bothmer zu verbinden: 10 Downingstreet, London.

Als es Hans Caspar Graf von Bothmer um einen möglichen Wohnsitz in seinem mecklenburgischen Besitz ging, mag er sich auch die Frage gestellt haben: Klütz? Er traf eine gute Entscheidung. Am Südrand des Ortes an der „Paeserow“ gelegen, ließ er zwischen 1726 und 1731 ein Schloss mit einem Park anlegen, wie es in Mecklenburg nichts vergleichbares an anderer Stelle gibt. Tragisch nur, dass er es vermutlich nicht einmal im Bauzustand gesehen haben wird. Als die Anlage fertig war, fand er keine Zeit mehr, seine mecklenburgische Besitzung aufzusuchen. Er starb 1732.

Mehr als 200 Jahre blieb das Majorat der Grafen von Bothmer bestehen, ehe gesellschaftliche Veränderungen während der Weimarer Zeit zu dessen Niedergang führten und deren Reste mit der Bodenreform 1945 völlig zerstört wurden.

Die Grafen von Bothmer werden auch den Wert des in Klütz ausgeprägten Handwerks erkannt haben. Damit förderten sie die Entwicklung im Klützer Winkel. Neben neuen Handwerkszweigen entstanden neue Betriebe. Ganz wichtig war eine in Hofzumfelde geschaffene Ziegelei, die nicht nur Ziegelsteine für den Bau von Schloss Bothmer lieferte, sondern auch für andere Bauten, z. B. das Pfarrhaus in Klütz. In Arpshagen entstand eine Brauerei, letztere bestand bis ca. 1878, die Ziegelei aber bis in die Wendezeit 1990, also ca. 270 Jahre. Hofzumfelde, der Wirtschaftshof der Besitzung, der „Hof zum Feld“, war und ist auf direktem Weg vom Schloss durch die einzigartige Festonallee erreichbar.

Die Majoratsherren setzten sich hartnäckig für den Erhalt der Klützer Marktgerechtigkeit ein, die ab ca. 1850 anerkannt wurde. Auch in anderer Weise wirkte das Majorat förderlich, angeregt durch Entwicklungen im Königreich England. Die Lebensbedingungen ihrer Untertanen verbesserten sich, u. a. bezüglich des Bildungswesens. In Klütz entstand für die schon vor 100 Jahre erwähnte erste Schule 1884 der damals modernste Schulbau innerhalb des Ritterschaftlichen Amtes Grevesmühlen, auch bestanden seit 100 Jahren in den Majoratsdörfern Brook, Elmenhorst, Gutow, Hohen Schönberg, Moor, Oberhof und Parin einklassige Schulen, in denen ein Lehrer in einem Raum bis zu acht Klassenstufen unterrichtete. Aber so war es eben bis ins 20. Jahrhundert in Mecklenburg!

Wind- und Wassermühlen bestimmten das Landschaftsbild des Klützer Winkels. Neben den Gutshöfen und -häusern in Bothmer, Brook, Oberhof, Parin und Stellshagen gab es in Elmenhorst, Gutow, Hohen Schönberg, Kussow, Steinbeck und Tarnewitzerhagen jeweils mehrere Erbpächter, die z. T. über mehrere Generationen ihre Höfe bewirtschafteten, sowie Büdner, die ihre kleine Landwirtschaft vielfach mit einer Schmiede und angeschlossenem Krug oder auch mit einem anderen Handwerk, z. B. das des Schusters, verbanden.

Die Entwicklung nahm ihren Lauf. Als auf Grund der fortschreitenden wirtschaftlichen Entwicklung Verbesserungen im Verkehrswesen notwendig wurden, stellte sich wieder die Frage: Klütz? Und wieder fiel die Entscheidung positiv aus. Klütz!

Am Klützer Bach wurde über Jahrhunderte Zoll erhoben, daran erinnert heute nur noch die Inschrift „Zum Zoll“ an einer früheren Gaststätte. Landstraßen wurden gebaut, die zunächst von und nach Wismar bzw. Grevesmühlen führten, ehe erst im 20. Jahrhundert die über Kalkhorst führende durchgängige Chaussee in Richtung Kalkhorst entstand. Diese Verbindungen waren in erster Linie für die Landgüter wichtig.

Klützer Kaffeebrenner

Das galt auch für den Bau einer vollspurigen Eisenbahn, die von Grevesmühlen her den Klützer Winkel erschließen sollte. Klütz?

Wieder fiel die Entscheidung: Klütz! 1905 erreichte der erste Zug den Bahnhof Klütz. Diese Bahnverbindung hatte ebenfalls eine große Bedeutung für benachbarte Güter, so war ihr längerer, bogenförmiger Verlauf von Grevesmühlen nach Klütz zu erklären.

1994 stellte der „Klützer Kaffeebrenner“, wie er liebevoll im Volksmund genannt wurde, seinen Betrieb ein. Aber in Klütz lebt er seit 2014 mit der Schmalspurbahn „Uns lütt Kaffeebrenner“ wieder auf und lädt von April bis Oktober zu Fahrten von Klütz bis Reppenhagen ein. Dazu wurden die Bahnhöfe Klütz, Stellshagen und Reppenhagen in einen sehenswerten Zustand versetzt. Die Touristen erfreuen sich an dieser in Westmecklenburg einzigartigen Attraktion.

Auch der elektrische Strom und Gas hatten zumindest in Klütz ihren Einzug gehalten. Der 1. April sollte zu einem Schicksalsdatum werden. Am 1. April 1921 erhielt der Flecken Klütz seine Selbständigkeit, war also von der gutsherrschaftlichen Bevormundung befreit, aber dadurch weitgehend mittellos. Er schuf sich ein eigenes Wappen, das allerdings erst 1938 anerkannt und inzwischen zweimal durch ein anderes ersetzt wurde.

Der Ort besann sich seiner Wirtschaftskraft und seiner Traditionen. Am 1. April 1938 erhielt Klütz zusammen mit weiteren ehemaligen mecklenburgischen Flecken das Stadtrecht, gleichzeitig aber auch mit ca. 1200 Einwohnern das unausgesprochene Prädikat „Kleinste Stadt Mecklenburgs“.

Die Bedeutung von Klütz wuchs auch in anderer Beziehung. Gräfin Mary von Bothmer, aus England stammend und katholischer Konfession, hatte bereits 1931/32 für den Bau einer katholischen Kirche am östlichen Stadtrand gesorgt. Damit entsprach sie dem Glaubensbedürfnis einer Vielzahl katholischer Landarbeiter, die aus Polen stammten und katholisch waren. Es war dies in jener Zeit einer der wenigen Neubauten katholischer Kirchen.

Bodenreform und LPG „Klützer Winkel“

Tiefgreifend waren die wirtschaftlichen und politischen Veränderungen, die sich nach 1945 in der Stadt und in den benachbarten Dörfern, den heutigen Ortsteilen, vollzogen. Schloss Bothmer diente über fast 50 Jahre als so genanntes „Kreisfeierabendheim“ der Pflege älterer Menschen, Gutshäuser wandelten sich zu Wohnstätten, die Bodenreform ließ Neubauern zu Besitzern von wenigen Hektar Land werden. Neubauern schufen sich Neubauernhäuser, die noch heute das Bild einiger Dörfer mitprägen, die Güter Christinenfeld, Elmenhorst und Oberhof entwickelten sich unaufgesiedelt zu leistungsfähigen volkseigenen Gütern (VEG). Die ab 1952 einsetzende Kollektivierung in Form Landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften (LPG) sorgte für immer größere Wirtschaftseinheiten, so dass am Ende die LPG „Klützer Winkel“ tatsächlich die größten Teile dieser Region bewirtschaftete.

Seit dieser Zeit sorgen alljährlich, von Mitte April bis Mitte Mai, der vielfach blaue Himmel, die ausgedehnten gelb blühenden Rapsfelder und das Ziegelrot der sichtbaren Backsteinbauten für ein farbenfrohes Bild, das den Farben der Mecklenburgfahne BLAU-GELB-ROT entspricht. Aber Mecklenburg gab es zumindest in jener Zeit gar nicht!

Das gesellschaftliche Leben passte sich diesen Entwicklungen an. Das Verwaltungszentrum des Amtes „Klützer Winkel“ fand in Klütz seinen Sitz. In Christínenfeld, Elmenhorst und Grundshagen entstanden Kulturhäuser, Volkstanzgruppen und Chöre luden zu kultureller Betätigung ein. Von besonderer Bedeutung war die Klützer Molkerei mit ihren Käseprodukten wie etwa das „Klützer Gold“ oder der „Babyedamer“. Dieser war allerdings eher in den Auslagen von Berliner, Leipziger oder Dresdener Geschäften zu sehen und auch käuflich erwerbbar, nicht aber vor Ort oder in der Region. Das Gebäude der ehemaligen Molkerei wird heute von mehreren Künstlern und Gewerbetreibenden genutzt. An der Fassade verweisen sie heute mehrdeutig mit dem Slogan „Kein Käse“.

Klützer Mühle

Engagierte Bürger sorgten mit Unterstützung örtlicher Betriebe während der Jahre 1976 bis 1980 für den Wiederaufbau der ehemaligen Holländermühle in Niederklütz, die seitdem nicht nur landschaftsprägend ist, sondern sich als Restaurant und Aussichtspunkt großen Zuspruchs erfreute und erfreut. Engagierte Bürger sorgten 1980 auch für einen Festumzug während des 750. Jubiläums der Stadt Klütz, der für damalige Verhältnisse überwältigend und beispielgebend war.

Das Schulwesen entwickelte sich durch die fortschreitende Zentralisation. Wieder war es Klütz, das davon profitierte. Eine neue Schule mit Turnhalle entstand, der Wohnungsbau in Blockbauweise oder als Eigenheim schritt voran, wenn auch weiterhin Mängel blieben.

Entwicklung nach 1989

Dann kam mit dem 9. November 1989 die Wende mit ihren erneut tiefgreifenden Veränderungen, die in den letzten drei Jahrzehnten erfolgreich gemeistert wurden. Das zeigt sich den Gästen der Stadt vor allem im Ortsbild, auch im Vergleich zu anderen mecklenburgischen Städten dieser Größenordnung. Leerstand gibt es nicht, die Häuser sind renoviert und saniert. Schloss Bothmer entwickelte sich nach einer Phase des Leerstands und der nachfolgenden langjährigen Sanierung zum Aushängeschild der Stadt Klütz und der Region. Es bietet als Schloss, das es vom Namen her aus denkmalpflegerischen und historischen Gründen nicht sein darf, sondern schlicht „Herrenhaus“ heißen müsste, mit seinem Museum, seinem Restaurant, seinem Park, seinem die Gesamtanlage umfassenden Wallgraben und der nach Hofzumfelde führenden einmaligen Festonallee einen Zielort für wachsende Touristenströme. Ein großer Parkplatz entstand. Aus den vielen gesellschaftlichen Höhepunkten, die auf Schloss Bothmer stattfinden, ragen u. a. Veranstaltungen der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern heraus. Unmittelbar neben dem Parkplatz befindet sich am Neuen Friedhof die sehenswerte Gedenkstätte für die Grafen von Bothmer. Mehrfach bildete Schloss Bothmer und Hofzumfelde die Kulisse für Filmaufnahmen, so beim UFA-Film „Der Majoratsherr“ oder dem Fernsehfilm „Die Flucht“.

Die Gutshäuser in Oberhof und Stellshagen wandelten sich zu Hotels. Besonders erwähnenswert ist das Hotel Gutshaus Stellshagen mit seinen Außenstellen in Damshagen und im Gutshaus Parin. In dieser Aufzählung darf das Feriendorf an der Ostsee in Wohlenberg nicht fehlen. Es hat sich von einem DDR-Betriebsheim zu einer ganz besonderen Erholungsstätte entwickelt.

Neben Schloss Bothmer und der Sankt Marien-Kirche besitzt die Stadt Klütz mit dem 2006 in einem ehemaligen Speicher eingerichteten Literaturhaus „Uwe Johnson“ eine erstrangige Anlaufstelle nicht nur für literarisch Interessierte, sondern, durch die vielfältige Veranstaltungstätigkeit, auch für viele weitere Besucher. Dort befindet sich auch die Stadtinformation, die umfangreich über die Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen in der Region informieren kann. Im Bereich der gesamten Innenstadt verweist eine Vielzahl unterschiedlicher Informationstafeln auf Wissenswertes. Sie leisten damit einen Informationsbeitrag für die zunehmende Anzahl der Touristen, die Klütz aufsuchen. Urlauber finden in Klütz in Ferienanlagen, wie z. B. „Palm’s kinderfreundliches Ferienhaus“, „Am Linden-Brink“ oder dem Touristenhof „Clewes Grün“ sowie andere Ferienwohnungen und Unterkünfte.

Klütz hat sich in den letzten Jahrzehnten siedlungsmäßig vergrößert und verändert. Am Ostrand der Stadt entstanden zahlreiche Neubauten in Form von Eigenheimen. Das gilt auch für einige Ortsteile, besonders für das unmittelbar benachbarte Arpshagen. Am Nordrand der Stadt hat sich ein Gewerbegebiet mit Tankstelle, großer Einkaufsstätte, mehreren Supermärkten, der Freiwilligen Feuerwehr und einem Schmetterlingspark angesiedelt. Die Stadt Klütz erhielt in zwei Bauabschnitten eine Ortsumgehung am östlichen Stadtrand.

1803 ließ Graf von Bothmer am Strand in Boltenhagen den ersten Badekarren aufstellen. Damit begründete er nach Heiligendamm das zweite Ostseebad an der mecklenburgischen Küste. Im Lauf von zwei Jahrhunderten haben sich Flecken und Stadt Klütz sowie das langsam aufstrebende Ostseebad Boltenhagen gegenseitig in ihrer Entwicklung beeinflusst. Gäste des Badeortes finden in Klütz Abwechslung, Klützer Firmen profitierten von den Badegästen in Boltenhagen. So wird es auch in Zukunft bleiben.

Bleibt zum Schluss die Frage: „Klütz?“. Die Antwort sollte nur lauten: „Klütz!“

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