20. August 2018 20:34 Alter: 89  Tage
Kategorie: Berichte

„Die Welt, wie ich sie gerne hätte“ – Kindergeschichten von Alexander Wolff

 Von Dana Dolata

„Ich mag die Realität nicht“, sagt Alexander Wolff (40) frei heraus. Er denke dabei an die Demokratie, deren Verfall er seit 10 Jahren beobachte, denke auch an die Lohnarbeit – und eigentlich an fast alles, was nicht aus einer Geschichte von ihm stammt.


Kinderbuchautor Alexander Wolff illustriert seine Bücher selbst.

Denn Alexander Wolff setzt dem zwei Bücher mit Vorlesegeschichten entgegen. In ihnen ist alles ganz so, wie der aus Berlin stammende heutige Klützer es sich vorstellt. Genauer bedeutet das, das Riesenmädchen Dorothea steht in ihrer Höhle auf, löst ein Problem im Wald, dann geht sie wieder nach Hause, nimmt ein Schüsselchen Kartoffelsuppe zu sich – und schläft wieder ein. Na, eine Gutenachtgeschichte gibt es vorher natürlich auch noch für das kleine Riesenmädchen.

Zwei Bücher über Dorothea hat Alexander Wolff schon geschrieben. Geschichten für Vier- bis Zehnjährige sind darin, und am besten, so Wolff, liest man diese vor. „Es ist eine Form der zwischenmenschlichen Kommunikation“, sagt er. Außerdem ließe sich der Sprachschatz kleiner Leute über das Vorlesen immens erweitern. „Ganz wichtig auch, dass Geschichten, egal welcher Art, den Erfahrungsschatz von Kindern vergrößern. Über sie dringen Kinder in eine Welt vor, die ihnen so nicht unbedingt zugänglich ist“, findet er.

Wie Kinder ticken, weiß er aus seinem Studium der Grundschulpädagogik. Im Referendariat hat er aber abbrechen müssen: Diagnose „Burn-out“. „Und weil meine Wohnung bald voller selbstgefertigter Möbelstücke war, habe ich angefangen, mich anders zu beschäftigen: mit dem Schreiben.“ Es wurde ihm schnell zur Therapie. Nicht das Schreiben selbst jedoch, wie er betont: Die reine Tätigkeit brauchte er im Kampf gegen die Depression. „Heute schreibe ich für mich“, so Alexander Wolff. Er schiele nicht auf die Wirkung. Wenn sie gut ist und er Feedback bekommt, gefalle ihm das natürlich.

Doch über das Schreiben geht es weit hinaus, was der Klützer leistet. Bei ihm liegt alles in einer Hand, vom Lektorat bis hin zum Layout. Er illustriert seine Bücher auch selbst. Der Stil: infantil. „Alles, was ich mache, habe ich mir autodidaktisch angeeignet“, sagt er dazu. „Erst Schritt für Schritt erarbeitete ich mir das Zeichnen“, so Wolff. Er zeigt die Sprünge, die er dabei gemacht hat, anhand von Originalzeichnungen seiner Bücher. Wo die ersten Bilder noch wie hin gekritzelt erscheinen, da sind seine neueren Zeichnungen bereits viel üppiger in den Farben und auch detailreicher in den Inhalten. Infantil ist es immer noch. Alles ist ganz kunterbunt und Alexander Wolff lacht dazu. „Ich kann mir nicht vorstellen, das alles nicht mehr zu machen“, sagt er. Viel zu sehr wäre ihm alles ans Herz gewachsen.

Doch er muss viel reinstecken. Um 7000 Euro hat er für seine Bücher im Eigenverlag bisher ausgegeben. Rein – „kommt lächerlich wenig“, sagt er. Die Bücher sind in der Galerie „Das Spinnrad“ in der Alten Molkerei in Klütz zu bekommen, im Hotel Gutshaus Stellshagen auch sowie dem Steinbecker Hofladen und über Alexander Wolffs Internetseite www.peter-und-der-wolff-productions.de. Er hat auch schon Crowdfunding für das erste Buch über Dorothea gemacht. Über die Internetplattform „Startnext“ konnten einzelne Personen Beträge zur Realisierung seines Buchprojektes investieren. Dafür bekamen sie kleine Dankeschöns wie Farbdrucke von Bildern aus dem Buch. Das einzelne Buch wurde darüber aber zu teuer, so dass er bald auf Erspartes zurückgriff.

Doch so teuer der Druck eines Buches auch ist: Ein Buch fertigt der Klützer regelmäßig für 0 Euro. In seinem Studium der Grundschulpädagogik hatte Alexander Wolff gelernt, wie man Bücher selbst binden kann. Und so nimmt er sich bei jedem auch in die Druckerei gegebenen Buch einmal Nadel und Faden und bindet eine Ausgabe nur für die Tochter einer Bekannten. Für diese hatte er überhaupt erst angefangen zu schreiben. Das war, bevor er merkte, wie es gut es ihm tun konnte.

Bald brachte alles mehr und mehr Spaß, und gerade hat Alexander Wolff zwei Bücher in der Mache. Eines von ihnen ist die zweite Fortsetzung von „Das kleine Riesenmädchen Dorothea“, das andere handelt von einem Blütenzwerg namens Babu. Und, wie Wolff sagt, er kann sich auch vorstellen, einmal Stücke nur für Erwachsene zu verfassen. Auch jetzt schon habe er einige erwachsene Fans. Sie lesen von Dorothea, wie sie andauernd Gutes tut, zusammen mit vielen Fabel- und Märchenwesen – in einem großen Wald und das, so Wolff, „ist die Welt, wie ich sie gerne hätte“.





Dies ist der Internetauftritt der Schloßstadt Klütz, Landkreis Nordwestmecklenburg. Zum Impressum