25. Februar 2019 10:43 Alter: 25  Tage
Kategorie: Berichte

Hommage an Uwe Johnson

 Von Barbara Stierand

Selbst strahlender Sonnenschein konnte die vielen Zuhörer nicht abhalten, zur Sonntagsmatinee am 24. Februar 2019 ins Literaturhaus „Uwe Johnson“ zu kommen.


Gottfried Richter, Ralph Schlunk (Querflöte und Saxophon), Patrick Farrant (Jazzgitarre), v.l.n.r.

Ralph Schlunk, Patrick Farrant, Sängerin und Musikdozentin Susanne Wegener im Literaturhaus „Uwe Johnson“, v.l.n.r.

Das Jahr 1953 in die Gegenwart geholt. Gottfried Richter liest aus „Ingrid Babendererde“.

Der Schauspieler Gottfried Richter las aus Johnsons Erstlingswerk „Ingrid Babendererde. Reifeprüfung 1953“. Virtuos begleitet wurde sein Vortrag von musikalischen Improvisationen der Sängerin und Musikdozentin Susanne Wegener, des Jazzgitarristen Patrick Farrant und von Ralph Schlunk mit dem Saxophon und der Querflöte.

Anlass für die Lesung war der 35. Todestag des Schriftstellers, der vermutlich in der Nacht vom 23. Februar auf den 24. Februar 1984 in seinem Haus in Sheerness on Sea, England, gestorben ist. Den Roman „Ingrid Babendererde. Reifeprüfung 1953“ schrieb er bereits 1953/1954 mit 19 Jahren und bot ihn mehreren Verlagen sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland erfolglos an. Veröffentlicht wurde das Buch erst 32 Jahre später, nach seinem Tod im Jahr 1985, vom Suhrkamp Verlag.

Uwe Johnson verarbeitet darin eigene Erfahrungen aus seiner Studentenzeit in Rostock. Zwischen ihm, der FDJ und der SED kam es 1953 zu Unstimmigkeiten, da er sich auf einer Protestversammlung der Philosophischen Fakultät öffentlich für die Junge Gemeinde – die Jugendorganisation der Evangelischen Kirche – und für die in der Verfassung der DDR garantierten Rechte auf Meinungs- und Religionsfreiheit einsetzte.

In dem Roman beschreibt er die Geschichte einer Abiturientenklasse wenige Tage vor der Reifeprüfung. Die Protagonisten sind die Schülerin Ingrid Babendererde und ihr Freundeskreis, vor allem ihr Freund Klaus Niebuhr. Ingrid wird von der Schulleitung aufgefordert, auf einer Schulversammlung die Mitglieder der Jungen Gemeinde zu denunzieren. Ihre Rede nutzt sie aber, die jungen Christen zu verteidigen, nicht ohne einen vorherigen Hinweis auf die westlichen Jeanshosen einer Mitschülerin, die der Schuldirektor verboten hatte zu tragen. Auf Grund ihrer aufmüpfigen Rede wird die Schülerin aus der Schule ausgeschlossen.

Gottfried Richter vermochte es, durch seine anschauliche Vortragsweise die Zuhörer ins Klassenzimmer der 12 A der Gustav-Adolf-Oberschule des Jahres 1953 zu beamen und die Spannungen zwischen der rigiden Schulleitung und den rebellischen Schülern greifbar zu machen. Verstärkt wurde sein Vortrag durch die lebendige Interaktion mit den Musikern, die die Handlung akustisch interpretierten.

Ein äußerst bereichernder Vormittag, darin waren sich alle Anwesenden einig.

Zu dieser Veranstaltung hatten das Literaturhaus „Uwe Johnson“ und sein Förderverein eingeladen, unterstützt durch die Sparkasse Mecklenburg-Nordwest.


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