22. Juli 2018 18:14 Alter: 26  Tage
Kategorie: Berichte

„Ich bin ein verkannter Humorist“

 Von Barbara Stierand

Auf großes Interesse stieß der Vortrag des Kieler Johnson-Experten Rainer Paasch-Beeck im Literaturhaus „Uwe Johnson“ anlässlich des 84. Geburtstags des Schriftstellers am 20. Juli 2018.


Der Literaturwissenschaftler Rainer Paasch-Beeck im Literaturhaus

Postkarte aus Berlin-Friedenau, Wohnort von Uwe Johnson

Grüße an Christine Jansen, Mitstudentin in Leipzig

„Aufgrund des Datums fällt Uwe Johnsons Geburtstag immer den Klützer Literatursommer“, so Projektleiterin Anja-Franziska Scharsich in ihrer Einführung. „Uns ist es jedoch bisher jedes Mal gelungen, an diesem Gedenktag einen Bezug zum Thema des Literatursommers herzustellen, so auch diesmal“. „Mit Humor geht alles besser. Witziges, Skurriles und Absurdes in der Literatur“ lautet das diesjährige Motto, und Rainer Paasch-Beeck hatte sich diesbezüglich auf die Suche gemacht und war in Werk und Leben von Uwe Johnson fündig geworden.

Zunächst ging er jedoch auf das Verhältnis des Schriftstellers zu seinem eigenen Geburtstag ein. „Keine Party bei Uwe Johnson“, so lässt sich seine Haltung dazu wohl am besten beschreiben. „Er wollte den Tag so normal wie möglich begehen“, so Paasch-Beeck und legte anhand von Zitaten aus Briefwechseln mit Freunden und seinem Verleger Siegfried Unseld dar, dass Johnson seinen Geburtstag nicht feiern wollte und keinen Wert darauf legte, dass man ihm gratulierte. Einige hielten sich jedoch nicht daran. Von seinem Freund und Schriftstellerkollegen Max Frisch erhielt er beispielsweise Glückwünsche per Telegramm.

Mit dem Geburtsdatum Johnsons am 20. Juli ist gleichzeitig die Erinnerung an das gescheiterte Hitler-Attentat von 1944 verbunden. Johnson gedachte der Widerstandskämpfer gegen den NS-Staat auf seine Weise und setzte Sozialdemokraten und anderen mutigen Personen in den „Jahrestagen“ Denkmäler der Erinnerung. Wie etwa Ernst Thälmann, Julius Leber oder den unbekannten Lübecker Sozialdemokraten. „In den ‚Jahrestagen’ spielen die geschichtlichen Ereignisse am 20. Juli 1944 eine eher untergeordnete Rolle“, erläuterte Paasch-Beeck. „In einer Fernsehkritik zum DDR-Fernsehen für den Berliner Tagesspiegel schreibt Johnson 1964 jedoch über die Anerkennung für Stauffenberg und die Ehre, die ihm für seine Tat zuteil wurde.“

Bis zum Schluss mussten die Zuhörer auf Hinweise und Fundstücke zu Uwe Johnson und seinem Humor warten. Der Schriftsteller gab am 20. April 1982 auf die Frage eines amerikanischen Journalisten „Haben Sie Humor?“ selbst die Antwort: „Ich bin ein verkannter Humorist“. Rainer Paasch-Beck gab im folgenden einen ausführlichen Überblick über Zitate, Ereignisse und Meinungen, die ein differenziertes und nahezu heiteres Bild zeichneten und die Zuhörer am feinen Humor und der Ironie von Uwe Johnson teilhaben ließen.

Aus Berlin angereist war zu diesem Abend auch Christine Jansen, eine heute 82-jährige Mitstudentin von Uwe Johnson aus Leipzig. Sie überreichte Rainer Paasch-Beeck eine Postkarte, die Uwe Johnson ihr geschrieben hatte (siehe Foto). Die Postkarte wird demnächst in der Ausstellung im Literaturhaus „Uwe Johnson“ zu sehen sein und dort verbleiben.


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