11. November 2018 12:23 Alter: 33  Tage
Kategorie: Berichte

„Zähne einer Ehe ...“ – Heitere Beziehungsdramen

 Von Barbara Stierand


Ein schauspielerisches Feuerwerk der Extraklasse konnten die Zuschauer am Freitag, den 9. November im voll besetzten Literaturhaus „Uwe Johnson“ in Klütz erleben.


Humoristische Unterhaltung vom Feinsten – Christiane Leuchtmann und Hans-Peter Korff im Literaturhaus „Uwe Johnson“, Klütz.

Die Schauspieler Christiane Leuchtmann und Hans-Peter Korff präsentierten ihr Beziehungsgefechtsprogramm „Zähne einer Ehe ...“. Sie lasen und spielten Witziges, Absurdes und Groteskes zum Thema Ehe und Beziehungen von bekannten deutschen Literaten und Satirikern. Texte von Erich Kästner, Heinz Erhardt, Heino Jaeger, Johann Nepomuk Nestroy, Heinrich Heine, Kurt Tucholsky, Ringelnatz, Karl Valentin und anderen wurden von dem Schauspielerehepaar meisterhaft und höchst unterhaltsam in Szene gesetzt.

Christiane Leuchtmann brillierte mit lebhafter Darstellung, Gestik und Mimik. Ob als verzweifelte Ratsuchende beim Telefonarzt Dr. Jäger (Korff), deren Mann als pensionierter Passkontrolleur nun auch die Pässe der Familienmitglieder kontrollieren will. „Jetzt hat er sich sogar einen Schalter aus Sperrholz gebaut“, klagte sie. Oder mit dem Chinesischen Couplet, einem Nonsense-Lied, das Karl Valentin für Liesl Karlstadt geschrieben hatte. „Mantsche Mantsche Pantsche Hon kon Tsching Tschang!“ schmetterte sie mit Inbrunst ins Publikum. Ebenso für Erheiterung sorgte das Lied von der feinen Dame aus Hamburg-Blankenese, die einmal im Jahr nach Norderney fährt und „von ihrem Postament“ herabsteigt, um sich mal richtig auszutoben.

Hans-Peter Korff unterhielt mit seinem norddeutschen, eher trockenen Humor, konnte aber auch heftig werden, wenn er mit seiner Frau ins Streiten geriet. Wie bei dem Tucholsky-Stück „Ein Ehepaar erzählt einen Witz“. Verirrt sich der Wanderer nun in den Alpen oder in den Dolomiten? Die Eheleute können sich nicht auf eine Version des Witzes einigen, ein Wort gibt das andere und am Ende wollen sie sich beinahe scheiden lassen. Lebendig veranschaulichte Korff auch das „Liebesleben der Wildschweine“ nach einem Gedicht von Christian Maintz und lieh dem brünstigen Keiler eine lüsterne Stimme: „Ihr süßen Sauen, drallen Bachen, kommt her, dann lassen wir es krachen!“

„Wo kommen die Löcher im Käser her?“ – Auch diese Frage wurde anhand eines Prosastückes von Kurt Tucholsky hinlänglich erörtert. Die anfangs unschuldige Kinderfrage des kleinen Tobby wächst sich zum handfesten Familienkrach aus und endet mit allerhand Katastrophen wie umgestoßene Testamente und private Beleidigungsklagen. Hinreißend und in verschiedenen Rollen vorgetragen von Christiane Leuchtmann.

Hans-Peter Korff ist gebürtiger Hamburger und bekannt durch zahlreiche Filme, Fernsehserien und Theaterstücke. 1985 erhielt er die Goldene Kamera für seine Rolle als Sigi Drombusch in der Fernsehserie „Diese Drombuschs“. Weitere Rollen spielte er in bekannten Filmen, unter anderem in „Pappa ante portas“ von und mit Loriot oder in TV-Serien wie „Adelheid und ihre Mörder“ und „Agathe kann’s nicht lassen“.

Christiane Leuchtmann wurde in München geboren und ist Theater- und Fernsehschauspielerin sowie Hörspiel- und Hörbuchsprecherin. Sie spielte unter anderem an den Münchner Kammerspielen und an den Staatlichen Schaubühnen Berlin. 1990 erhielt sie den Preis für Darstellende Kunst der Akademie der Künste Berlin.

Die zwei Stunden vergingen wie im Flug. Nicht nur das Publikum war von diesem Abend begeistert, auch Hans-Peter Korff und Christiane Leuchtmann waren vom Literaturhaus „Uwe Johnson“ sehr angetan. „Uns hat es super gut gefallen“, so Leuchtmann. „Das war ein schnelles, gutes und kluges Publikum. Die Leute haben den Witz sofort erfasst und gleich darauf reagiert. Wir kommen gerne in kleinere Literaturhäuser mit Anspruch. Das sind die richtigen Bühnen für uns.“




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