6. Klützer KulTOURnacht – Kunst, Musik und Konzerte trotz Corona

 

Kunstwerke mit Fahrrädern, eine Goldschmiede in der Alten Molkerei, Beatboxen im Schloss. Diese und viele andere kulturelle Highlights konnten die zahlreichen Besucher am 17. Oktober 2020 von 16.30 Uhr bis in die späte Nacht hinein erleben.

image-8741
An ihnen kam keiner vorbei. Bändchenverkauf durch Moritz Kirczek (Tourismusmanager Klütz), Lara Töpper (Bibliothekarin) und Katrin Peritz (Mitarbeiterin Literaturhaus).

In Zeiten von Corona die Klützer Kultournacht fantasievoll und abwechslungsreich, aber trotzdem sicher und verantwortungsvoll zu gestalten, dies hatten sich die Organisator*innen auf die Fahnen geschrieben. Und dieser Spagat war gelungen. Jede der Stationen hatte ein eigenes Hygienekonzept, die Abstandsregeln und die Maskenpflicht wurden eingehalten, die Besucher waren sehr diszipliniert.

„Ich war wirklich erstaunt, dass so viele Leute gekommen sind“, freute sich Catrin Freuschle von der Produzentengalerie in der Alten Molkerei. „Die Kultournacht war schon immer gut besucht, diesmal aber kamen die Leute von weiter her, und manche auch nur wegen bestimmter Angebote“. Goldschmiedemeisterin Jutta Kross aus Wismar feierte dort ihr 20-jähriges Firmenjubiläum und zeigt live an ihrem Goldschmiedetisch wie hochwertige Schmuckarbeiten entstehen. „Ich habe extra für die Klützer Kultournacht eine Brosche gemacht“, verriet sie. „Mit der Eule, echtem Holz und einem Bernstein.“

Louise Helga Scheunert aus Klütz stellte im Fahrradgeschäft Stock & Stein Bikes inmitten von Rädern, Reifen und Fahrradrahmen ihre Bilder, Karten und Papierengel aus. „Die Leute fanden das toll“, erzählt sie, „zwei Besucher aus Hamburg waren eben da. Sie sind extra zur Klützer Kultournacht gekommen und waren total begeistert.“

Eröffnet wurde die 6. Klützer Kultournacht von Bürgermeister Jürgen Mevius auf dem Markt. „Letztes Jahr haben wir bei Nieselregen die Kultournacht eröffnet“, erinnerte der Bürgermeister. „Dieses Jahr haben wir Sonnenschein, aber dafür Corona. Da wäre mir der Nieselregen lieber.“ Er bedankte sich bei allen Organisatoren und Veranstaltern, dass sie das Kulturevent trotz allen Widrigkeiten auf die Beine gestellt hatten. Um an die begehrten Freibändchen zu kommen, mussten die Zuhörer*innen noch einige „knifflige“ Fragen des Bürgermeisters beantworten. Klützerinnen und Klützer waren dabei klar im Vorteil. Sie errieten oder wussten unter anderem wie viele Ortsteile Klütz hat, welches Tier das Wappen von Klütz ziert und wohin die schöne Festonallee von Schloss Bothmer aus führt.

Bereits um 16.00 Uhr begann das Programm am historischen Bahnhof mit der Geschichte des „Lütt Kaffeebrenners“. Sieghardt Müller aus Klütz führte etwa 15 Eisenbahninteressierte über das Bahngelände und durch die Gebäude. Besonders interessant für die Gäste war die Geschichte des Klützer Kaffeebrenners von der Eröffnung am 6. Juni 1905 bis heute. Im Lokschuppen war eine Sammlung von Lokomotiven, Waggons und Loren zu bewundern.

Im Literaturhaus „Uwe Johnson“ gab es zwei Programme für Kinder und junggebliebene Erwachsene mit dem Liedermacher Wolfgang Rieck. Im Seemannsdress mit Tuba, Gitarre und verschiedenen Schlaginstrumenten gab er Lieder und Lügenmärchen sehr zum Vergnügen der Kleinen zum besten. Den Sänger und Gitarristen Uli Kirsch hatte der Fördervereins des Literaturhauses eingeladen. Er begeisterte das Publikum mit seiner kräftig-rauchigen Stimme und irischen Folk-Songs von Schmugglern und Halunken sowie mitreißenden, aber auch melancholischen Popsongs aus den siebziger Jahren. Für kulinarischen Gaumenkitzel und anregende Getränke sorgten die Mitglieder des Fördervereins bis in die Nacht hinein.

Der große Bücherflohmarkt mit Büchern aus Altbeständen der Bibliothek hatte seit 11.00 Uhr morgens geöffnet. „Bis jetzt haben wir bestimmt schon 100 Bücher verkauft“, so Lara Töpper am Nachmittag. Seit Mitte des Jahres ist sie die neue Bibliothekarin in der Stadtbibliothek. Mit Begeisterung erstellten drei Mädchen zwischen 5 und 11 Jahren mit ihr einen Stop-Motion-Film zur Kultournacht. Zu sehen auf dieser Seite.

„Einfach mal fallen lassen“ hieß das Programm von Alice Popko. „Es ist ein Versuch“, so die Hypnosetherapeutin zu dem ungewöhnlichen Raum, in dem ihre Fantasiereise stattfand. Ein altes Gewölbe, ein Nebenraum im ehemaligen Küchentrakt von Schloss Bothmer, bot den Rahmen für diese Erfahrung zum Abschalten. Mit ruhiger und trotzdem eindringlicher Stimme wurden die Teilnehmer in eine Traumreise entführt, sich fernab von Gedankenspielen nur auf den Moment zu konzentrieren und so zu sich selbst zu finden. „Es hat gewirkt und tat gut“, war das Feedback der Teilnehmenden. Alle Plätze waren besetzt und auch hier wurde, wie überall, der notwendige Abstand entsprechend der Corona-Regeln eingehalten.

JustBeats hieß der Beatboxworkshop mit Tino Bittner und Julian Liebenau im Hof von Schloss Bothmer. Entspannt auf Liegestühlen lauschten die Zuhörenden den beiden „Beatboxern“. Sie erzeugten alle Beats und auch sonstige Klänge nicht mit Instrumenten, sondern allein mit ihrer Stimme. Mit lockerem Smalltalk unterhielten sie ihr Publikum und hatten sichtlich Spaß an dem, was sie da an Rhythmus von sich gaben.

Was wäre die Klützer Kultournacht ohne ihre interessanten Themenführungen? Der Stadtarchitekt Werner Peters führte auf Einladung des Fördervereins des Literaturhauses durch die Klützer Altstadt, zu markanten Häusern und in geschichtsträchtige Straßen. Es war eine Reise durch die Vergangenheit von den Anfängen des Ortes als slawische Siedlung über die städtische Entwicklung durch die Stadtsanierung seit den 1990er-Jahren bis heute. Uli Arph, mit seiner Nachwächter-Führung schon seit einigen Jahren bei der Klützer Kultournacht dabei, konnte auch dieses Mal wieder viele Zuhörer begeistern. Zweimal an diesem Tag stieg Pastorin Pirina Kittel auf den Turm der St. Marienkirche und erzählte unter dem Motto „Läuschen und Rimels“ Glockengeschichten von der Kirche und Geschichten von Klütz.

Mit dabei waren außerdem Ana Sojor und Dieter Klockenbusch mit drei Cello-Konzerten in der Galerie „La Cantinita“ am Markt. Licht ins kalte Oktoberdunkel zauberten an diesem Abend die Lichtgestalter Decoholics mit fantasievollen und farbenprächtigen Installationen an der Kirche, am Schloss und an der Alten Molkerei. Auch im Hof des Literaturhauses brachte eine Feuerschale Wärme und Gemütlichkeit. Außerdem hatten einige Klützer Laternen vor ihre Haustür gestellt.

Carsten Schmoldt hat in den 14 Jahren seiner Tätigkeit als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger viele Schätze gefunden und geborgen. Eine Auswahl dieser Exponate vom Wikingerschmuck bis zum Goldtaler zeigte er in der Heimatstube Im Thurow auf Bildern und erzählte die Geschichte dazu. Jeden ersten Freitag im Monat ab 19.00 Uhr sind alle Interessierten zu einem zwanglosen Treffen herzlich eingeladen.

Besucher und Veranstalter waren sich einig. Es war wieder einmal wunderbare Kultournacht. „Wir sind froh, dass sie nicht abgesagt wurde und dass endlich wieder mal was stattgefunden hat“, hörte man an vielen Orten. Und – die nächste Klützer Kultournacht kommt bestimmt!

 

Die 6. Klützer KulTOURnacht wurde gefördert durch die Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern.

image-8742
Bürgermeister Jürgen Mevius eröffnet die 6. Klützer Kultournacht auf dem Markt.
image-8743
Die Zuschauer*innen wollen eine Eintrittskarte gewinnen.
image-8744
Architektenführung mit Werner Peters, Stadtarchitekt. Hier Im Thurow.

 

image-8745
Auch Landrätin Kerstin Weiss war zur Kultournacht gekommen.
image-8746
Fahrradwerkstatt und -verkauf. Ein besonderer Ausstellungsort für Louise Helga Scheunert (l.)
image-8766
Bild von Louise Helga Scheunert vor Fenster im Fahrradladen Stock & Stein Bikes.
image-8767
Interessantes über die Geschichte und die markanten Gebäude von Klütz erfuhren die Besucher bei der Architekturführung mit Werner Peters.
image-8747
Die Decoholics brachten Licht ins Dunkel mit farbenfrohen Installationen.
image-8748
Großer Besucherandrang bei der Nachtwächterführung von Uli Arph.
image-8749
Geschichten über Klütz und seine Bewohner, erzählt von Uli Arph.
image-8750
Mitreißendes Konzert von Uli Kirsch im Literaturhaus „Uwe Johnson“.
image-8751
Bald wird das Feuer so richtig lodern. André Peritz war der Feuermeister im Lesegarten des Literaturhauses.
image-8752
Tolles Programm von Liedermacher Wolfgang Rieck für die Kleinen, mit Seemannsgarn und Lügengeschichten mit der Maus im Fernrohr.
image-8753
Die Bibliothekarin Lara Töpper (r.) macht mit den Kindern einen Stop-Motion-Film. Erst malen, dann filmen.
image-8754
Kulinarische Gaumenkitzel gingen flott über die Theke. Natürlich mit Hygieneschutzwänden.
image-8755
Cello-Konzert mit Ana Sojor und Dieter Klockenbusch in der Galerie am Markt.
image-8756
Lichtinstallation von den Decoholics vor der Alten Molkerei.
image-8757
Goldschmiedin Jutta Kross aus Wismar zeigt wie man ein Schmuckstück verziert.
image-8758
Brosche mit dem Klützer Wappen von Jutta Kross.
image-8759
Malen mit Rügener Kreide und Pigmenten. Die Künstler Sarah Pawlowski und Alf Wandenelis erklärten ihre Technik. In der Alten Molkerei.
image-8768
Besucher diskutieren mit dem Lokpersonal
image-8769
Der Zug steht mit historischer Lok, der "Brigadelok" - Henschel 16020/1918 bereit.
image-8770
Sieghardt Müller antwortet auf die vielen Fragen mit Geduld und Fachwissen.
image-8771
Anstehen zum Kauf von Eintrittskarten am Literaturhaus "Uwe Johnson"
image-8772
Übergabe einer Freikarte durch BM Jürgen Mevius an Frau Ute Gagzow
image-8773
Warten vor Beginn des Architektenspaziergangs durch Klütz.
image-8774
Interessierte vor dem Pfarrhaus beim Architekturspaziergang durch Klütz
image-8775
Alice Popko bot den Kurs „ Einfach mal fallen lassen“ im Schloss Bothmer an.
image-8776
Impressionen vom Beatboxing
image-8777
Impressionen vom Beatboxing
image-8778
im Literaturhaus wurden die Coronaregeln akribisch umgesetzt.
image-8779
Abendstimmung im Hof des Lesegartens.
image-8780
Einige Bürger hatten entsprechend des Aufrufes ihre Haustüren mit Lichtern geschmückt.
image-8789
Lichtspielereien mit buntem Nebel vor Schloss Bothmer. Foto: Janos Freuschle
Disco-Kugel im Farbenrausch vor der Kirche. Foto: Janos Freuschle
Disco-Kugel im Farbenrausch vor der Kirche. Foto: Janos Freuschle
image-8791
Geometrische Körper mit Licht vor der Alten Molkerei. Foto: Janos Freuschle
image-8792
Kunst trifft Fahrrad. Foto: Louise Helga Scheunert
Carsten Schmoldt begeistert die Zuhörerinnen und Zuhörer
Carsten Schmoldt begeistert die Zuhörerinnen und Zuhörer
Steffen Arndt vom Heimatverein bei seinem Vortrag
Steffen Arndt vom Heimatverein bei seinem Vortrag
image-8814
Minitörtchen am Nachmittag, Cocktails und entspannte Atmosphäre abends in der Orangerie von Schloss Bothmer.