Einwohnerversammlung in Klütz – Viele Bauvorhaben geplant

 

Etwa 70 Bürger waren in die Aula der Regionalen Schule gekommen. Zur ersten Einwohnerversammlung des Klützer Bürgermeisters Jürgen Mevius am 28. Januar 2020.

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Etwa 70 Bürger waren zur Klützer Einwohnerversammlung gekommen.

Eingangs informierte Arne Longerich vom Bürgerbüro des Amtes Klützer Winkel über die bevorstehende Sanierung des Amtsgebäudes. Die 41 Mitarbeiter*innen werden ab April 2020 für sechs Monate in die Alte Schmiede nach Damshagen umziehen. „Neue Auflagen zur Energieeinsparung und Barrierefreiheit sind ein Grund für die Sanierung. Ein Aufzug wird eingebaut, damit auch die oberen Stockwerke für Rollstuhlfahrer zu erreichen sind. Und vom neuen Parkplatz hinter dem Amt wird eine rollstuhlgerechte Rampe zum Gebäude führen“, erläuterte der Fachbereichsleiter. Zudem sind zwei Elektrotankstellen geplant, durch neue Dämmmaßnahmen werden Wärmeverluste im Winter und die Überhitzung der Büros im Sommer ausgeglichen.

Das Amt Klützer Winkel ist vom 19. März bis 23. März 2020 geschlossen. Danach können alle Bürgerangelegenheiten in der Alten Schmiede in Damshagen erledigt werden. Telefonnummern und E-Mail-Adressen der Mitabeiter*innen bleiben bestehen. „Der Briefkasten in Klütz vor dem Amtsgebäude wird auch während der Sanierung da sein und täglich geleert“, versprach Arne Longerich.

Die Kosten für den Umbau und die Sanierung des Amtsgebäudes betragen nach Auskunft des Bürgermeisters zwischen 1,5 und 1,6 Millionen Euro. 648.000 Euro Fördermittel wurden bisher eingeworben, die Differenz wird anteilig von den amtsangeschlossenen Gemeinden getragen.

Jürgen Mevius stellte in seiner Präsentation geplante Bauvorhaben und bestehende Baugebiete vor. „Das Wohngebiet ‚Am Lindenring’ umfasst 36 Bauplätze, 21 davon sind verkauft und für die restlichen 15 Bauplätze gibt es 109 Bewerbungen“, informierte der Bürgermeister. „Trotz des Quadratmeterpreises von 115 Euro ist dies ein Anzeichen dafür, dass Wohnraum begehrt und Klütz eine attraktive Stadt für Neubürger ist.“

Ein weiteres Wohnbaugebiet wird neben dem Gebäude der DRK-Kita entstehen. „Dort bestehende Garagenanlagen müssen allerdings noch gekündigt und dann abgerissen werden“, so Bürgermeister Mevius.

In der vergangenen Legislaturperiode wurde von der Stadtvertretung der Bau eines neuen Sportplatzes gegenüber der Katholischen Kirche beschlossen. „Das ist eine ganz große Maßnahme, die mit 4,5 Millionen Euro zu Buche schlägt. Fördermittel sind da, aber zu wenig. Der Eigenanteil der Stadt würde immer noch ca. 1 Million Euro betragen“, informierte Mevius. „Da müssen wir noch Gespräche unter anderem mit dem Land führen.“ Ob Klütz überhaupt einen neuen Sportplatz brauche, wollte ein Einwohner wissen. „Es liegt ein Beschluss der Stadtvertretung vor und die Aufträge sind europaweit ausgeschrieben. Da können wir nicht mehr zurück“, erklärte der Bürgermeister. Nach wie vor sehe er aber, dass der hohe Eigenanteil für die Stadt nicht tragbar sei. Das Grundstück, auf dem sich der Sportplatz jetzt befindet, soll an das Land Mecklenburg-Vorpommern verkauft werden. „Auch da haben wir uns noch nicht geeinigt. Wir möchten einen mittleren sechsstelligen Kaufpreis erzielen, das Angebot des Landes bewegt sich im unteren sechsstelligen Bereich.“

Auch der Straßen- und Radwegebau geht in Klütz und seinen Ortsteilen voran. Die Sanierung der Ortsdurchfahrt mit kombiniertem Rad- und Gehweg in Christinenfeld soll im 2. Halbjahr 2020 beginnen und nach eineinhalb Jahren fertig gestellt sein. Der Radweg zwischen Klütz und Grundshagen wird noch in diesem Jahr begonnen. Ein Teil davon wurde schon vor einigen Jahren in Betrieb genommen und ist jetzt beidseitig mit Bäumen bepflanzt.

Klütz möchte von dem boomenden Wohnmobiltourismus profitieren. Deshalb werden im jetzigen Gewerbegebiet in der Lübecker Straße die planungsrechtlichen Voraussetzungen für einen Caravan-Stellplatz für 90 Wohnmobile geschaffen. Im Zuge dessen laufen Gespräche, das Gewerbegebiet in ein Mischgebiet umzuwandeln.

Auch Flächen am den Alten Bahnhof sollen zum Baugebiet werden. Ein Investor aus Klütz hat Interesse daran bekundet. „Eine Einigung mit dem Betreiber der Kleinbahn muss noch gefunden werden“, so der Bürgermeister.

Als Problemfall sieht der Bürgermeister „die Trauerhalle im städtischen Friedhof. Das Gebäude ist sanierungsbedürftig und wird nur 8 bis 10 Mal im Jahr genutzt.“ Auch das Gebäude der alten Kita sei zwar an einem attraktiven Standort, müsse aber abgerissen werden. „Viele Kinder waren dort und sind mit dem schönen Wandmosaik aufgewachsen. Das sollte auf jeden Fall erhalten und an einer anderen Stelle wieder angebracht werden“, so Mevius.

Harschen Unmut äußerten die Einwohner von Christinenfeld über die begonnenen Erd- und Rodungsarbeiten im Gebiet um den alten Speicher. Dort war zunächst eine reine Ferienhaussiedlung geplant, die ursprünglichen Investoren, das niederländische Unternehmen Van Wijnen Recreatiebouw und die Vermarktungsfirma Landal Green Parks, waren jedoch abgesprungen. Der B-Plan wurde geändert, es sollen nun ein Wohngebiet, ein Hotel und Ferienhäuser entstehen. Der neue Investor hat nun mit Rodungsarbeiten begonnen. „Es wird gerodet und gerodet, obwohl der Kaufvertrag noch nicht einmal vollzogen ist“, so ein erzürnter Christinenfelder Bürger. Eine andere Einwohnerin beschwerte sich: „Kein Mensch spricht mit einem. Kein Investor, kein Bauamt. Es wird alles geheim gehalten. Ich habe Fragen wegen des Regenwasserabflusses bei meinem Haus, der wird nun zerstört und wir können absaufen.“

Christinenfeld und die mangelnde Transparenz war nur eines der heißen Themen, das die Bürger aufbrachte. Kritikpunkte waren auch der dichte Innenstadtverkehr und wann denn endlich die Umgehungsstraße käme. Des Weiteren eine schlechte Straße mit 50 bis 60 Schlaglöchern in Grundshagen oder „Schandflecke“ wie die verfallende Ruine in Aprshagen, das alte Kaufhaus in der Rudolf-Breitscheid-Straße oder das ehemalige Rathaus in der Schloßstraße, das noch immer nicht saniert sei. Andere wiederum wünschten sich mehr Bänke bei den Supermärkten, damit sich ältere Menschen dort auch mal hinsetzen könnten.

Bürgermeister Jürgen Mevius versprach, die Probleme, so weit es gehe zu lösen. Er beantwortete die Fragen nach bestem Wissen und nahm Anliegen auf, um sie auch schriftlich beantworten zu können.

Abschließend berichtete er noch über die erfreulich hohen Besucherzahlen in Schloss Bothmer und im Literaturhaus „Uwe Johnson“ sowie über bevorstehende kulturelle Ereignisse in Klütz.

Und – „Klütz hat wieder einen Storch“, so der passionierte Vogelkundler Mevius. „Er hat sich im letzten Jahr in dem Storchennest in Arpshagen niedergelassen und auch schon Nachwuchs bekommen.“

 

Fotos: Jürgen Mevius, Barbara Stierand

 

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Bürgermeister Jürgen Mevius informierte u. a. über Bauvorhaben, Arne Longerich (l.) über den Umbau des Amtsgebäudes.
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Hannes Palm vom Heimatverein sprach über die bevorstehende Festwoche „790 Jahre Klütz“ von 1. – 5. April 2020
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Spannende Einblicke in das Baugeschehen in Klütz und seinen Ortsteilen gab Bürgermeister Jürgen Mevius.

 

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Aufmerksame und kritische Zuhörer.
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Hofseitige Ansicht vom Amt Klützer Winkel, das ab April 2020 saniert wird.
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„Pestizidfreie Kommune“ war das Anliegen von Herrn Schmidt aus Arpshagen. Er hatte eine mehrseitige Beschlussvorlage für die Stadtvertretung dazu verfasst und vorgetragen.
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Neues Baugebiet „Am Lindenring“, die meisten Bauplätze sind verkauft.
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Geplantes Baugebiet neben der Kita des DRK
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Der Breitbandausbau geht voran.
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Die Straße in Christinenfeld wird noch in diesem Jahr saniert, der Rad- und Gehweg ausgebaut.
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Umstrittene Ferienhaussiedlung in Christinenfeld
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Rund um den alten Speicher sollen ein Wohngebiet und Ferienhäuser entstehen.
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Auch die Fläche beim Alten Bahnhof ist als Bauland begehrt.
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Klütz hat wieder einen Bauhof.
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Die Trauerhalle im städtischen Friedhof ist sanierungsbedürftig.
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Die alte Kita wird abgerissen.
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Das schöne Mosaik soll erhalten werden und einen neuen Platz finden.
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Das Motto des Abends: „Wir können nur gemeinsam etwas erreichen.“
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Klütz hat wieder einen Storch. Hier im Nest in Arpshagen.