Neue Gestaltungsideen für Trauerhalle und Bestattungshaus 

 

Tod, Trauer und Bestattungen – mit diesen Themen beschäftigte sich eine Gruppe von Studierenden an der Fachhochschule Wismar. Das Bestattungsinstitut Berg & Söhne in Klütz und die Trauerhalle auf dem städtischen Friedhof sind Gegenstand von Bachelorarbeiten im Fachbereich Gestaltung und Innenarchitektur. Pläne und Modelle sind in einer Ausstellung in der Heimatstube in Klütz noch einen Monat lang zu sehen.

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Leonie Sandmann stellt ihre Bachelorarbeit vor: Ein Entwurf zum Bestattungsinstitut Berg & Söhne in Klütz.

Leonie Sandmann, eine der Absolventinnen, stellte am Dienstag, den 2. August zwei der Arbeiten vor. „Herr Berg hat uns freundlicherweise Zugang zu seinem Institut gewährt, wir haben das Aufmaß gemacht und ich konnte dann auf Grundlage der vorhandenen Bausubstanz meine Ideen für die Umgestaltung der Räume entwickeln“, berichtete sie. Herausgekommen ist ein ansprechendes Konzept, in dem Licht, Raum, Farbe und Reduktion eine große Rolle spielen. „Es beginnt mit der Präsentation der Särge im Eingangsbereich“, so Sandmann. „Von der Vielzahl fühlt man sich als Besucher leicht überfordert. Man könnte sich auf wenige Modelle beschränken und dadurch mehr Raum schaffen und Ruhe reinbringen.“ Auch für die Gestaltung des Trauerraums und des Besprechungsraums entwickelte sie neue Ideen. Die Besucher sollen sich geborgen und in ihrer Trauer mitgenommen und unterstützt fühlen.

Außergewöhnlich und ansprechend war auch das Konzept der vier Elemente für Bestattungsinstitute allgemein, hier in Szene gesetzt am Beispiel des Hauses von Berg & Söhne. „Der Mensch hat eine grundlegende Beziehung zu den vier Elementen Feuer, Erde, Wasser und Luft – real und symbolisch“, so Sandmann. „Feuer zum Bespiel spendet Wärme und ist ein Symbol für Geborgenheit. Aus Wasser bestehen Mensch und Planet zum großen Teil.“ Die Atmosphäre in Bestattungsinstituten soll durch eine freundliche Farbgebung in den Räumlichkeiten beeinflusst werden. Die Farben können positive Emotionen bei den Trauernden auslösen und dem Schmerz des Verlustes entgegenwirken. 

Eine beeindruckende Gestaltungidee wurde auch für die Trauerhalle des Klützer Friedhofs vorgestellt. In den 1960er Jahren an der Stelle der Familienkapelle der Grafen von Bothmer erbaut, ist sie von der Schloßstraße aus im Eingangsbereich des Friedhofs gut sichtbar. „Auch hier wurde eher luftig gedacht“, so Leonie Sandmann, die das Modell einer Kommilitonin vorstellte. „Es muss nicht nur etwas mit Tod zu tun haben, die Halle könnte auch flexibel genutzt werden. Hochzeiten, Trauerfeiern oder andere Familienfeste wären darin denkbar.“ Große Schiebetüren aus Glas vermitteln Transparenz und ermöglichen einen leichten Zugang nach draußen. Bei diesem Modell ist zusätzlich ein Columbarium vorgesehen, ein Ort für Urnenbestattungen, direkt an der Trauerhalle. 

Die anwesenden Stadtvertreter, weitere Gäste sowie die gastgebende Familie Schmoldt bedankten sich für die gelungene Präsentation. „Es ist schon beeindruckend, wie viele junge Leute sich mit diesem Thema beschäftigt haben“, so Bürgermeister Jürgen Mevius, der bereits an der Wismarer Fachhochschule mehr als 20 verschiedene Modelle gesehen hatte. „Ich hoffe, dass sich auch in Zukunft noch weitere Planungen mit der Hochschule ergeben werden“, wünschte sich Hannes Palm, Stadtvertreter und Vorsitzender des Heimatvereins Klützer Winkel e. V., „mit frischen Ideen und einem ‚out of the box‘-Denken.“ Betreuende Professorin war Dipl. Ing. Bettina Menzel an der Fakultät für Gestaltung der Fachhochschule Wismar.

Die Ausstellung ist noch bis zum 2. September 2022 in der Klützer Heimatstube, Im Thurow 10, zu sehen, Eingang Staudengärtnerei. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 14 Uhr.

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Erläuterungen zu Plänen und Modellen von Leonie Sandmann in der Klützer Heimatstube.
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Hannes Palm begrüßte die Gäste und stellte das Projekt vor.
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Pläne für eine lichtdurchflutete Trauerhalle auf dem Klützer Friedhof.

 

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Die Trauerhalle als Modell mit Farb- und Materialmustern.
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Pläne für das Bestattungsinstitut Berg. Auch über neue Urnenmodelle hatten sich die Studierenden Gedanken gemacht.