Orgel in Klützer St. Marienkirche ist saniert

 

Die Orgel in der St. Marienkirche in Klütz wurde saniert und erklingt erstmals am 20. Juni 2020 wieder. Zu Weihnachten spielte die Blaskapelle der Freiwilligen Feuerwehr. Die folgenden Gottesdienste wurden im Kirchsaal gefeiert, dann kam Corona. So fiel das Fehlen der Winzer-Orgel kaum auf.

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Die Klützer Orgel ist ausgebaut. Reinalt Klein (2.v.r), Friedrich Drese (3.v.r).

„Wir wollten endlich wieder Orgelkonzerte ohne Herzklopfen, ob denn auch alles klappt“, so die Klützer Pastorin Pirina Kittel. Im vergangenen Jahr hatte es zumindest „zwei Katastrophen gegeben, die kurz vor den Konzerten noch behoben werden konnten. Ein Mal, weil zufällig ein Orgelbauer privat vor Ort war, ein anderes Mal, weil gerade die Orgelfachfrau und Schwester der Nachbarpastorin in der Gegend war und schnell eingreifen konnte“, erinnert sie sich.

Die Kirchengemeinde Klütz-Boltenhagen-Bössow lädt im Sommer in der Regel zu drei und in der Adventszeit zu fünf Konzerten in die Klützer Kirche ein. Außerdem erklingt die 1871 von Friedrich Wilhelm Winzer erbaute Orgel regelmäßig in den Gottesdiensten. Manfred Absalon und der Konzertpianist Ilya Pril wechseln sich mit dem Dienst ab. Die beiden hatten schon mehrmals kleine Reparaturen durchgeführt. Nun aber musste professionelle Hilfe her.

Die Kirchengemeinde setzte sich mit dem Orgelsachverständigen des Kirchenkreises Mecklenburg, Friedrich Drese, in Verbindung, der nach seiner Begutachtung die Ausschreibung vorbereitete und bei der Beschaffung von Fördermitteln zur Seite stand. Die Orgelbaufirma Reinalt Klein aus Lübeck, die mit 75.000 Euro den Kostenvoranschlag eingereicht hatte, bekam den Zuschlag. „Wie umfangreich allerdings diese Überholung würde, ahnte trotz gründlicher Begutachtung zu diesem Zeitpunkt niemand so richtig. Beim Zerlegen des gesamten Werkes zeigten sich zusätzliche Schädigungen an zuvor nicht einsehbaren Stellen, auch starke Verschmutzungen durch Fledermäuse, verdeckter Wurmfraß oder von innen gerissene Windladen“, schrieb Manfred Absalon. „Alle Pfeifen wurden gereinigt, kaputte und zerfressene Teile neu gefertigt. Der Blasebalg wurde repariert, die Klaviaturen erneuert und die Mechanik intakt gesetzt.“ Generell hat sich der Preis nur geringfügig verändert; manche Reparaturen nahmen Herr Klein und seine Gesellen kostenfrei für die Kirchengemeinde vor.

Seit November waren in Klütz keine Orgelklänge mehr zu hören. „Zu Weihnachten unterstützte uns die Kapelle der Freiweilligen Feuerwehr – das war ungewöhnlich in der Klützer Kirche – aber es war total schön für uns“, sagte Pastorin Kittel, die seit November 2013 in der Kirchengemeinde mit ihren rund 1100 Gemeindemitgliedern tätig ist. In einer weiteren Christvesper musizierte die Musikgruppe „Vielklang“ der Kirchengemeinde.

Im Winter finden die Gottesdienste in Klütz im Kirchsaal statt, wo eine elektronische Orgel zur Verfügung steht, die die Gemeinde vor Jahren geschenkt bekommen hatte. Als es normalerweise wieder in die Kirche gegangen wäre, war Corona-Zeit. „Ostern war es sehr still in der Klützer Kirche“, so Pastorin Kittel.

Besonders dankbar ist die Kirchengemeinde, dass der „Kirchbauverein an der Klützer Kirche“, der im vergangenen Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiern konnte, den gesamten Eigenanteil der Gemeinde an der Finanzierung in Höhe von 25.000 Euro übernommen hat. Die weiteren Drittel übernahmen jeweils der Kirchenkreis und das Land Mecklenburg-Vorpommern.

Die Klützer sind stolz auf ihre Orgel, die das vorletzte Instrument von Friedrich Wilhelm Winzer (1811 bis 1886) ist. „Ab 1840 baute Winzer 30 Orgeln in Mecklenburg“, weiß Manfred Absalon. Die in der St. Marienkirche zu Klütz verfügt über zwei Manuale, ein Pedalmanual und 20 klingende Register mit rund 1100 Orgelpfeifen. Die größte davon ist etwas über drei Meter lang, die kleinste nur einen Zentimeter kurz. Die Orgel ist vollmechanisch. „Leider hat dieses wertvolle Instrument auch schlechte Zeiten gesehen“, so Absalon. „So wurden im ersten Weltkrieg die kostbaren Zinnpfeifen ausgebaut und erst 1931 durch einfache Zinkpfeifen ersetzt.“

Am Sonnabend, den 20. Juni 2020, lädt die Kirchengemeinde um 15.00 Uhr zu einem Festgottesdienst ein, in dem Manfred Absalon die Orgel spielen wird. „Wir hoffen, zu diesem Termin mehr Menschen zu erreichen als zur Gottesdienstzeit am Sonntag“, so Pirina Kittel. Um 16.30 Uhr steht die Orgel im Mittelpunkt eines Konzertes unter dem Motto „Orgel plus …“. Sie wird im Zusammenspiel mit Saxophon, Percussion-Instrumenten, Oboe und Gesang erklingen.

Dabei können die Besucher auch einen Blick auf die nächsten Restaurierungsobjekte werfen, die sich der Kirchbauverein vorgenommen hat: Die reich beschnitzte Tauffünte aus der Spätrenaissance, deren Gehäuse aus dem Jahr 1653 stammt, sowie der barocke Altar aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts werden in Teilen restauriert.

 

Die Verwendung dieses Berichts erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Mecklenburgischen & Pommerschen Kirchenzeitung. Fotos: Pirina Kittel, Johan van den Berg

 

20. Juni 2020:

15.00 Uhr: Inbetriebnahme der sanierten Orgel mit Festgottesdienst in der St. Marienkirche in Klütz

16.30 Uhr: anschließendes Konzert „Orgel plus…“. Orgel mit Saxophon, Percussion, Oboe und Gesang.

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Die Orgel von innen
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Manfred Absalon an der Orgel
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Die Winzer-Orgel in der St. Marienkirche in Klütz