Wir Kinder aus Arpshagen

 

Aufgrund der großen Nachfrage und der besonderen Resonanz lud der Förderverein des Literaturhauses Horst Lederer erneut ein, um aus seinem Text „Die Familien Lederer in Arpshagen“ zu lesen.

„Seine erste Lesung war im Januar, und viele Interessierte mussten aus Platzmangel wieder nach Hause geschickt werden“, so die Vereinsvorsitzende Barbara Stierand. „Deshalb fragten wir Herrn Lederer, ob er seine Lesung wiederholen würde. Natürlich haben wir uns sehr über seine Zusage gefreut.“

Auch am 12. Oktober 2019 nahm der ehemalige Lehrer aus Grevesmühlen mit seiner anschaulichen und lebendigen Vortragsweise sein Publikum mit auf eine spannende Zeitreise in die Monate und Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit seiner Familie war er aus Pommern vor der Roten Armee geflüchtet. Mit Mutter und Tante kam er im Alter von 9 Jahren auf einem Treckwagen in den Klützer Winkel und fand ein Zuhause im Gutshaus Arpshagen. 

Noch am 30. Juni 1945 hätte die Familie die Gelegenheit gehabt, über die mecklenburgische Grenze nach Schleswig Holstein zu gehen. Dies war das ursprüngliche Ziel gewesen. Seine Mutter hatte jedoch gerade einen Sohn geboren. „Sie fühlte sich nach der Geburt meines kleinen Bruders Klaus zu schwach und wollte die Strapazen einer weiteren Flucht ins Ungewisse nicht auf sich nehmen“, erzählte Horst Lederer von den Schicksalsjahren seiner Familie. 

Die Erinnerungen des Autors an diese Zeit sind persönlich und politisch zugleich. Sie geben einen detaillierten Einblick in das private und kommunale Leben in der Nachkriegszeit im Klützer Winkel und sind ein wichtiges zeitgeschichtliches Dokument. Lederer beschreibt die rasanten Veränderungen und die politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen, die sich nach dem Krieg vollzogen. Gleichzeitig sind seine Erzählungen detailreiche Schilderung vom Alltagsleben der Flüchtlinge und Einheimischen in Klütz und Umgebung. 

Fußballspiele, Schulstreiche, winterliche Freuden wie Schlittschuhlaufen auf der Päserow und vor allem Fahrten zur Schule im Klützer Kaffeebrenner schildert Horst Lederer lebendig und humorvoll. „Ja, und eine Bibliothek gab es in Klütz auch schon“, so Lederer, „dort habe ich mir eine zerfledderte Ausgabe vom ‚Schatz im Silbersee’ ausgeliehen.“  

Viele Zuhörer, die Ähnliches erlebt hatten, kamen nach der Lesung zu ihm, um sich zu bedanken und gemeinsame Kindheits- und Jugenderinnerungen auszutauschen. Die Eintrittsgelder stellte Horst Lederer dem Förderverein des Literaturhauses zur Verfügung. 

Das Buch „Alltagsleben nach 1945 in Mecklenburg“, auf Grundlage des Textes von Horst Lederer, ist als Book on Demand in der Gelben Reihe „Zeitzeugen des Alltags“ erschienen und in der Buchhandlung Schnürl & Müller in Grevesmühlen oder bei Amazon erhältlich.
(ISBN 978-3-7467-5934-0, EUR 17,99)

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Horst Lederer gab interessante Einblicke in das Leben in Arpshagen nach 1945.
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Horst Lederer und Hannes Palm vom Heimatverein „Klützer Winkel“ e. V.
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Buchhändler Thomas Müller, Literaturhausleiterin Anja-Franziska Scharsich, Autor Horst Lederer