85. Geburtstag von Uwe Johnson im Klützer Literaturhaus

 

85 Jahre alt wäre Uwe Johnson am 20. Juli 2019 geworden. Anlässlich dieses Jubiläums gab es im Klützer Literaturhaus, das dem Schriftsteller gewidmet ist, zwei besondere Veranstaltungen.

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Anja-Franziska Scharsich führt in die Ausstellung von Udo Rathke (r.) ein.

Eröffnet wurde an diesem Abend die Sonderausstellung des mecklenburgischen Künstlers Udo Rathke mit den Titel: Collagen zu Uwe Johnsons „Versuch einen Vater zu finden“. Das 1988 im Suhrkamp Verlag erschienene Textfragment erzählt von dem Versuch Gesine Cresspahls – der Hauptperson des Romans „Jahrestage“ – das Leben ihres Vaters, Heinrich Cresspahl, zu rekonstruieren.

Der in Grevesmühlen geborene und in Plüschow lebende bildende Künstler Udo Rathke hatte sich von diesem Text inspirieren lassen und festgestellt, dass die Romanfigur Heinrich Cresspahl eine ähnliche Biografie durchlebte, wie sein eigener Großvater. Rathke setzte dies künstlerisch um, indem er die entsprechenden Textstellen des Fragmentes mit Bildern aus seinem Familienarchiv montierte. „In direktem Abschreiben von Passagen des Textes von Johnson nahm ich die Parallelen zu meinen eigenen Erinnerungen wahr“, so der Künstler. „Lesend und zugleich zeichnend wandte ich mich meiner Herkunft zu und es entstand ein Stück bildgewordene Geschichte.“

Bereits 2014 war die Ausstellung zu Uwe Johnsons 80. Geburtstag in Rostock zu sehen. In diesem Jahr werden die Collagen noch einige Monate in der zweiten Ebene des Literaturhauses „Uwe Johnson“ ausgestellt. Das Textfragment „Versuch, einen Vater zu finden“ kann im Literaturhaus an einer Hörstation, vorgetragen von Uwe Johnson“, gehört werden.

„Ein Freund, ein guter Freund“ ist das Motto des diesjährigen Klützer Literatursommers. Mit den Freundschaften von Uwe Johnson befasste sich auch der Kieler Literaturwissenschaftler Rainer Paasch-Beeck, der schon öfter im Literaturhaus „Uwe Johnson“ zu Gast war. Detailliert, unterhaltsam und kenntnisreich schilderte er nicht nur die Freundschaften von Uwe Johnson zu Kollegen und Zeitgenossen, sondern auch die Freundschaften seiner Romanfiguren wie Ingrid Babendererde oder Gesine Cresspahl.

„Ein guter Freund – ein schwieriger Freund?!“ war die Fragestellung des Vortrags, und Uwe Johnsons „Befreundungen“ wurden von Paasch-Beeck unter die Lupe genommen. Seine Beziehungen zu berühmten Schriftstellerkolleginnen und -kollegen wie Hannah Arendt, Christa Wolf, Günter Grass, Max Frisch, Martin Walser oder Hans Magnus Enzensberger waren in ihrer Qualität ebenso unterschiedlich wie die Personen selbst. Johnson hatte sich mit vielen von ihnen gestritten und überworfen, geblieben waren vor allem die Freundschaften zum engsten Kreis seiner Studienfreunde aus Leipzig, vor allem zu Manfred Bierwisch. Aufschluss über seine Freundschaften gibt auch das Buch „Uwe Johnson. Befreundungen“, herausgegeben von Roland Berbig.

„Same procedure as every year“, hatte Rainer Paasch-Beeck seinen Vortrag begonnen, in Anspielung auf den Silvester-Kultsketsch zum 90. Geburtstag von Miss Sophie. „Ich hoffe, dass ich zum 90. Geburtstag von Uwe Johnson auch wieder hier zu Gast sein kann und freue mich, dass ich viele bekannte Gesichter hier sehe.“

Eine Veranstaltung des Literaturhauses und der Fördervereins.

Fotos: Anja-Franziska Scharsich, Barbara Stierand

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Udo Rathke erläutert seine Ausstellung „Collagen zu Uwe Johnsons „Versuch, einen Vater zu finden“.
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Collage. Handgeschriebene Texte von Johnson und Familienfotos von Rathke
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Collage. Handgeschriebene Texte von Johnson und Familienfotos von Rathke

 

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Rainer Paasch-Beeck hielt einem Vortrag zu Freundschaften von Uwe Johnson.
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Eröffnung der Sonderausstellung von Udo Rathke anlässlich des 85. Geburtstages von Uwe Johnson.