Hans Falladas Sohn liest im Literaturhaus „Uwe Johnson“

 

„Der Sohn von Hans Fallada zu sein, war für mich als Kind immer schwierig“, erzählt Achim Ditzen. Der heute 79-Jährige war ins Literaturhaus „Uwe Johnson“ nach Klütz gekommen. Er las aus dem Briefwechsel seines berühmten Vaters mit dessen Schwestern.

„Ohne Euch wäre ich aufgesessen. Geschwisterbriefe“ heißt das Buch, das Achim Ditzen herausgegeben hat. Die darin veröffentlichten Briefe gewähren einen großartigen und sehr persönlichen Zugang zum Privatleben seines Vaters, des großen Schriftstellers Rudolf Ditzen alias Hans Fallada. Sie geben Einblicke in seine Ehe und sein Familienleben, seinen Beruf und in die Beziehung zu seinen beiden Schwestern

Sechs Jahre war Achim Ditzen alt, als sein Vater 1947 mit nur 53 Jahren an den Folgen seines Alkohol- und Morphinkonsums starb. Als Achim Ditzen drei Jahre alt war ließen sich seine Eltern scheiden. Sein Vater hatte seine Familie für eine andere Frau verlassen, durch die er letztlich wieder in die Morphinsucht geriet. Achim lebte weiter mit seiner Mutter Anna Ditzen und seinen Geschwistern in dem Familienwohnsitz in Carwitz in der Feldberger Seenlandschaft. Das Haus ist heute Museum und Dichterhaus.

Seine Mutter habe ihm als Kind immer gesagt, dass er der Sohn von Hans Fallada sei und dass er sich dessen bewusst sein solle, erzählt Achim Ditzen. „Für mich war das als Kind eher eine Belastung und ich wusste nicht so recht, was ich damit anfangen sollte. Ich habe das erst später verstanden.“ Schriftsteller sei er nicht, sagte Achim Ditzen, aber mit dem Verlagswesen trotzdem eng verbunden: „Ich habe als Ingenieur für Druckereitechnik gearbeitet.“

Der Briefwechsel von Hans Fallada mit seinen Schwestern Elisabeth, genannt Ibeth, und Margarete, genannt Dete, beginnt 1928 und endet 1946. Hans Fallada schreibt die Briefe als Rudolf Ditzen und wird auch von seinen Schwestern so angesprochen. Er berichtet ihnen sehr persönlich, humor- und liebevoll von seinem Leben. Von seinem beruflichen Neubeginn nach Jahren der Sucht und mehrerer verbüßten Gefängnisstrafen und dass er nach seinem letzten Gefängnisaufenthalt in Neumünster endlich wieder eine feste Stellung gefunden habe. Beim „General-Anzeiger“ arbeitet er zunächst als Abonnenten- und Annoncenwerber. Im Dezember 1928 schreibt er in einem Brief an Ibeth: „Ich bitte Euch zu diesem Weihnachtsfeste, wenn auch noch nicht zu vergeben und zu vergessen, mir doch noch ein letztes Mal eine Möglichkeit zu geben.“ Per Brief erfahren seine Schwestern auch, dass er im April 1929 Anne Issel geheiratet hat, die von ihm Suse genannt wird. 1930 zieht das Ehepaar nach Berlin, Fallada arbeitet beim Rowohlt-Verlag als Leiter der Rezensionsabteilung und hat nebenbei die Möglichkeit, an seinen Romanen zu schreiben.

Ab 1930 stellen sich erste schriftstellerische Erfolge ein, etwa mit dem Roman „Bauern, Bonzen, Bomben“. Sein vierter 1932 veröffentlichter Roman „Kleiner Mann – was nun?“ wurde zum Bestseller und machte ihn schlagartig berühmt. Es wurde in mehrere Sprachen übersetzt und zweimal verfilmt. Von den Einnahmen kaufte sich Hans Fallada Haus und Land in Carwitz und verbrachte die Jahre während des Nationalsozialismus und 2. Weltkrieges zurückgezogen, als „unerwünschter“, lediglich geduldeter Autor.

Die Originalbriefe mit etwa zehntausend Seiten befinden sich heute im Hans-Fallada-Archiv in Neubrandenburg. „Ich habe mit Kopien gearbeitet, die Originale werden bei besonderen Temperaturen aufbewahrt“, berichtet Achim Ditzen.

Ein Buch, das neugierig macht, mehr über das Leben und die Persönlichkeit des großen Schriftstellers Hans Fallada zu erfahren. Es fördert einen Schatz lange unveröffentlichter Briefe zu Tage und spiegelt 20 Jahre bewegter Zeitgeschichte wider.

„Ohne Euch wäre ich aufgesessen. Geschwisterbriefe“, erschienen im Aufbau Verlag, Berlin 2018, 473 Seiten, 26 Euro

 

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Achim Ditzen beim Signieren der „Geschwisterbriefe“
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Achim Ditzen, der Sohn von Hans Fallada, liest im Literaturhaus „Uwe Johnson“, Klütz